#27 Wenn Alleinsein zur Last wird: Was Einsamkeit bedeutet und wie wir gegensteuern können, bevor es chronisch wird

Shownotes

Etwa die Hälfte der jungen Erwachsenen in Deutschland fühlt sich einsam, rund 12 Prozent sogar stark.

Aber Einsamkeit heißt nicht, dass niemand da ist. Sie entsteht in der Lücke zwischen der Verbundenheit, die wir uns wünschen, und der, die wir tatsächlich erleben. Man kann sie allein auf dem Sofa spüren und genauso in der vollen Mensa, wo alle anderen an ihren Tischen lachen und sich unterhalten. Am meisten schmerzt sie oft dort, wo eigentlich Nähe sein sollte: in Freundschaften, in denen nur noch über Oberflächlichkeiten gesprochen wird, oder in einer Beziehung, in der man sich fremd fühlt.

Gerade das Studium bringt vieles mit, was Einsamkeit begünstigt: eine neue Stadt, ständiger Leistungsdruck, möglicherweise zu wenig Zeit für richtige, tiefgehende Beziehungen. Bleibt das Gefühl dauerhaft, wird es zum Gesundheitsrisiko und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und obwohl wir seit der Pandemie offener darüber reden, fällt es vielen weiter schwer, Einsamkeit zuzugeben. Wie erkennt man sie bei sich selbst? Warum trifft sie manche härter als andere? Was hilft konkret und was können wir gemeinsam ändern, an der Hochschule und als Gesellschaft? Darüber sprechen wir in dieser Folge mit Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitsförderung und Prävention an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Sie erklärt, wann Alleinsein guttut und wann es kippt, warum verlässliche Unterstützung wichtiger ist als der perfekte Freundeskreis und warum wir vielleicht keine Strategie gegen Einsamkeit brauchen, sondern eine für Verbundenheit.

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00:00:00:

00:00:07: Etwa die Hälfte der jungen Erwachsenen in Deutschland fühlt sich einer Bertelsmann-Studie zufolge einsam.

00:00:14: Rund zwölf Prozent davon stark, doch Einsamkeit ist weit mehr als das Gefühl allein zu sein.

00:00:20: Sie entsteht wenn unsere sozialen Beziehungen nicht dem entsprechen was wir uns wünschen an Nähe, an Tiefe und echter Verbindung.

00:00:29: Kronische Einsamkeit wirkt sich dabei negativ auf die Gesundheit aus und erhöht das Risiko für Depressionen- und Herzkreislauferkrankungen.

00:00:37: Obwohl wir seit der Corona-Pandemie offener über das Thema sprechen, bleibt ein Stigma.

00:00:42: Einsamkeitsut zugeben fällt vielen schwer!

00:00:46: Was macht Einsamkeiten mit uns?

00:00:48: Warum trifft sie manche härter als andere?

00:00:50: Und vor allem was können wir tun sowohl im Alltag und als Gesellschaft um Einsamität fortzubeugen bevor sie chronisch

00:00:58: wird?!

00:01:03: Darüber sprechen wir in dieser Folge mit Sonja Lipke, Professorin für Gesundheitsförderung und Prävention an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

00:01:12: Sie erklärt wie Einsamkeit entsteht was man dagegen tun kann wenn es chronisch wird und welche präventiven Maßnahmen wirklich helfen können.

00:01:23: Ich bin Azadeh und du hörst eine neue Folge von How It Works, präsentiert von die Techniker.

00:01:36: Liebe Sonja schön dass Du da bist.

00:01:37: Ja danke vielen Dank für die Einladung.

00:01:40: Lass uns mal Mit einer Definition beginnen.

00:01:43: Was versteht man unter Einsamkeit?

00:01:46: Eigentlich ist Einsamheit die Diskrepanz zwischen gewünschter Verbundenheit und dem, was Menschen tatsächlich erleben.

00:01:55: Also das heißt wer alleine ist oder damit vollkommen fein ist.

00:02:00: der oder die hat überhaupt kein Problem.

00:02:03: aber wer sich in dem Moment wünscht mit ganz vielen anderen Menschen zusammen zu sein fühlt sich einsam.

00:02:10: Gleichzeitig kann man sich aber auch sehr einsam fühlen in der Gegenwart von anderen Menschen und das ist oftmals eine sehr viel verletzendere Einsamkeit.

00:02:22: Also ein typisches Beispiel an einer Hochschule ist, ich gehe nicht menscher Und dann sind da ganz, ganz viele andere und die unterhalten sich super und lachen.

00:02:31: Ich sitze alleine und keiner kümmert sich um mich oder nimmt mich wahr.

00:02:36: Vielleicht habe ich das Gefühl, ich würde so gerne an einem Tisch mit anderen auch im Gespräch sein aber irgendwie weiß nicht wie ich das einfädeln könnte... abgewiesen worden, das kann sehr verletzend sein und schmerzhaft.

00:02:50: Und noch schmerzer ist eigentlich wenn man feststellt dass man in Beziehung mit Menschen ist und da eben auch was fehlt also zum Beispiel in der Partnerschaft oder in Freundschaften wo man ja eine Verbundenheit sich wünscht oder ein Verständnis füreinander aber dann wird nur über Oberflächlichkeiten gesprochen oder gar nicht gesprochen sondern man ist einfach nur zusammen und teilt vielleicht gar nicht so viel außer dass man irgendwann mal sich entschied hat gemeinsam das Leben weiter zu beschreiten.

00:03:19: Wenn ich jetzt an diese Mensa-Situation denke, die du gerade beschrieben hast dann ist es ja auch so dass manche Menschen ja auch wirklich das Bedürfnis haben allein zu sein.

00:03:29: also gerade neue Divergente Menschen.

00:03:32: kann das auch etwas Positives sein?

00:03:35: Auf jeden Fall!

00:03:36: Also alleine sein ist erstmal ganz neutral.

00:03:40: das kann sogar sehr positiv oder auch förderlich für das eigene Wohlbefinden sein, für Kreativität und eben auch für Erholung.

00:03:48: Also deswegen wer nicht gut alleine sein kann und sich da dann immer gleich einsam fühlt sollte vielleicht das mal genauer anschauen und raus finden.

00:03:57: Warum?

00:03:58: Passt das nicht?

00:03:59: Oder was wird vermisst?

00:04:01: und dieses Alleine sein ist eigentlich etwas, was zu uns als Menschen auch dazu gehört.

00:04:06: Aber gleichzeitig ist es eben so dass wenn man sich grundsätzlich häufig alleine und dann auch einsam fühlt oder eben unwohl mit dem Alleinesein, dann fehlt vielleicht irgendetwas, was nicht unbedingt nur mit der Verbundenheit mit anderen Menschen zusammenhängt.

00:04:21: Wie kann man das eigentlich voneinander abgrenzen?

00:04:24: Alleine seien und sich einsam füllen

00:04:27: Alleine sein ist erstmal rein neutral, also das heißt alleine wird definiert als dass man eben keine anderen Menschen um sich herum hat.

00:04:36: und Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl was man empfinden kann auch wenn man mit anderen Menschen zusammen ist.

00:04:43: Statistisch betrachtet es so dass Menschen die viel alleine sind sich auch eher einsam fühlen.

00:04:49: aber einfach nur mit anderen menschen zusammen zu sein ist kein Garant dass man sich jetzt wirklich nicht mehr alleine und einsam fühlt.

00:04:58: Vor der Pandemie waren einer Studie zufolge zehn bis zwanzig Prozent der Menschen in Deutschland von chronischer Einsamkeit betroffen, das ist ganz schön viel!

00:05:09: Wie kann man chronische Einsamkeiten messen?

00:05:12: Wir haben verschiedene Skalen also Fragebögen oder auch einfache Fragen.

00:05:18: Das haben wir vor der Corona-Pandemie und währenddessen und auch danach so gemacht.

00:05:24: Die Einsamkeit von Menschen kann man wirklich nur durch die Befragung feststellen oder eben durch Introspektion.

00:05:31: Also das heißt, dass wir selber in uns gehen und das versuchen für uns selbst zu beantworten.

00:05:37: Das lässt sich nicht von außen beurteilen.

00:05:40: also es gibt keinen objektiven Test Ein, jetzt zum Beispiel Hinscan würde da keine eindeutige Auskunft geben.

00:05:50: Also das heißt wenn man jetzt so einen Hinskan machen würde dann könnte man bestimmte Areale im Gehirn identifizieren die mit der Einsamkeit zusammenhängen und erstaunlicherweise hängen die wiederum mit Schmerz zusammen.

00:06:03: also das sind die typischen Schmerztregionen im Gehören die da angesprochen werden.

00:06:08: aber es kann auch sein dass jemand wirklich nur Rückenschmerzen hat in den gleichen Regionen, das verarbeitet wird wie Einsamkeit beziehungsweise andersrum.

00:06:18: Also von daher sicher können wir Einsamkeiten nur über die Befragung des Gesprächs und der Auskunft

00:06:25: bekommen.".

00:06:26: Und wenn du diese Befregungen miteinander vergleichst also in der Zeit vor der Pandemie mit nach der Pandemie ist es so dass Einsamkeitsseiterpandemie Verstärkter vorkommt, weil sich in der Zeit unsere sozialen Beziehungen geändert haben?

00:06:44: Ja also wir sehen auf jeden Fall dass der Anteil von Menschen die Berichten sich einsam zu fühlen zugenommen hat.

00:06:53: Also das heißt wir sehen zum einen, dass es mehr Menschen sind, die das berichten und zum anderen sehen wir auf Bevölkerungsebene, dass der durchschnittliche Wert auch angestiegen ist.

00:07:04: Jetzt nicht nur bei Studierenden in Deutschland der Fall, sondern das sehen wir weltweit und in den meisten Altersgruppen.

00:07:10: Am stärksten aber eben bei den jüngeren Menschen.

00:07:13: Und da kommen dann auch gleich zu den Erklärungsmöglichkeiten.

00:07:18: also die Veränderung der Beziehungen hat natürlich bedeutenden Faktor, also das heißt viele haben während der Corona-Pandemie Abstand halten müssen und sind stärker ins Digitale gegangen.

00:07:31: Wir Menschen sind eben physisch und wenn wir alles nur noch digital machen dann fehlt uns was und wir passen uns als Menschen eben auch nicht der Digitalisierung so schnell an dass wir damit ausreichend fein werden.

00:07:44: von daher ist es die Frage sind's wirklich nur die Beziehungen die sich verändert haben zusätzlich zu dem Digitalen auch physisch.

00:07:54: Und da sehen wir vor allem bei Jüngeren, dass die bestimmte soziale Kompetenzen während der Corona-Pandemie nicht gelernt haben und danach dieses – ich nenne es jetzt mal Defizit – nicht so aufgeholt haben wie das vielleicht andere Altersgruppen dann geschafft haben.

00:08:12: Und das sind einfach wichtige Entwicklungsaufgaben und wenn die in einer bestimmten Zeit nicht erfüllt werden, dann muss man da eben ganz gezielt ran gehen.

00:08:20: Und versuchen das aufzuholen – es ist eben kein Automatismus!

00:08:25: Deswegen ist es mir immer wichtig, die Einsamkeit als Hinweis zu nehmen, als Aufforderung oder als Reiz den wir auch wirklich nutzen und nicht nur uns schlecht fühlen sondern viel mehr als ein Pushfaktor.

00:08:39: Was meinst du mit Pushfaktor genau?

00:08:42: Ja, dass wenn wir etwas vermissen.

00:08:44: Also dieses Änderungssignal, das wir das so nutzen dann auch wirklich wieder auf andere Menschen zuzugehen und bemerkt da fühle ich mich unwohl.

00:08:56: Das kann nicht gut aushalten.

00:08:57: es überfordert mich dann das mal genauer anzuschauen.

00:09:01: Und also das eine ist man sollte sich vielleicht dem auch ein bisschen aussetzen, das Aushalten und irgendwann wird es dann besser.

00:09:09: Es kann aber auch sein dass man vielleicht mal mit anderen Menschen darüber sprechen sollte oder das gezielt gemeinsam angehen.

00:09:17: also wer zum Beispiel Flugangst hat der wird ja nicht einfach nur in einen Flugzeug steigen so ungeschützt aussetzen, sondern der wird hoffentlich dann Menschen haben die sich um ihn oder sie kümmern und erst mal diese Situation durchsprechen.

00:09:35: Und besprechen wovor ist denn eigentlich die Angst?

00:09:39: Wenn die Angst wirklich so schlimm ist dass wenn ja das Betreten eines Flugzeuges schon eine Panikattacke beispielsweise auslöst Oder eben andere Ängste damit zusammenhängen dass man die versucht zu lösen also bis hin zu einer Verhaltenstherapie oder phytonstherapeutischer Maßnahmen.

00:09:56: Und genau so können wir das bei der Einsamkeit eben auch verstehen, dass Menschen die große Angst haben vor anderen Menschen, vor dieser sozialen Situation da vielleicht einfach erstmal niedrigschwellig mit Freunden oder bekannten Verwandten herangehen.

00:10:13: aber wer da eben nicht ausreichend diese Brücke schlagen kann, der sollte vielleicht doch dann auch mal in eine Beratung gehen oder bis hin zu einer Psychotherapie.

00:10:24: Mein Eindruck ist, dass wir seit der Pandemie verstärkt generell über mentale Gesundheit sprechen.

00:10:32: Wie hat sich aus deiner Sicht in der letzten Zeit im Laufe der letzten Jahre der Diskurs Übereinsamkeit verändert?

00:10:39: Sprechen wir da wirklich mehr drüber?

00:10:41: Ja also auf jeden Fall sehen wir das Einsamkeit vielmehr den Fokus von allen Menschen gekommen ist nicht nur bei PsychologInnen, die sich vorher um dieses Thema schon gekümmert haben.

00:10:55: Mittlerweile ist es eben in der Presse immer weiter verbreitet und viele Menschen reden darüber, die vielleicht vorher da gar keine Aufmerksamkeit für hatten.

00:11:05: Das führt natürlich auch zu einer Entstigmatisierung – das ist auf der einen Seite sehr gut, dass sich Menschen trauen, darüber zu sprechen.

00:11:12: Auf der anderen Seite führt das natürlich auch dazu, dass möglicherweise dieses Gefühl der Einsamkeit berichtet wird aber eigentlich gar nicht so dramatisch ist oder dass wir das auch überinterpretieren.

00:11:25: Also, das muss man schon mit bedenken.

00:11:27: auf der anderen Seite es ist mir eben wichtig dieses Gefühl der Einsamkeit als eine Funktion wie Hunger beispielsweise auch wirklich ernst zu nehmen.

00:11:36: und wenn da bei den sozialen Kompetenzen was verbessern sollten oder eben auch gesellschaftlich dann eine Aufgabe besteht, dann sollten wir das nicht einfach nur verdrängen und sagen ja es ist jetzt einfach so.

00:11:50: Oder wie schlimm die müssen alle in Psychotherapie sondern wir sollten wirklich auch aufeinander wieder zugehen und dass gesellschaftliche so nutzen dass wir miteinander im Gespräch sind, dass wir versuchen Diskriminierung oder Benachteiligung von Gruppen zu verhindern und eben wirklich ja auch ein gutes Verständnis zu bekommen, aber eben auch die Ambiguitätstoleranz zu fördern.

00:12:13: Also das Aushalt von unterschiedlichen Meinungen.

00:12:16: Und da sind Hochschulen natürlich einen ganz besonders wichtigen Ort.

00:12:20: Ist Einsamkeit eigentlich in Leistungsgesellschaften wie ja viele westseche Gesellschaften – also auch die Deutsche?

00:12:27: Es sind weiterverbreitet als in Kollektivgesellschaftens?

00:12:31: Nee, eher andersrum.

00:12:33: Also kollektivistischere Kulturen haben eine größere Aufmerksamkeit auf dieses Gefühl von Gemeinsamkeit und Verbundenheit und dann wird auch eher etwas vermisst.

00:12:44: Und wir sehen das innerhalb von Europa dass ehrenordische Länder ja ne Kultur haben wo Menschen gut alleine sein können noch gerade evolutionsbiologisch, dass die eben in dieser dunklen kalten Jahreszeit das auch eher ausgehalten haben alleine zu sein und dann zu überleben.

00:13:03: Wohingegen eher mediterrane Länder mehr so dieses Verbundenheitsgefühl haben alles gemeinsam und also eher so kollektivistisch?

00:13:14: Und wir sehen das noch viel stärker bei kollektifistischeren Kulturen wie jetzt in Asien.

00:13:20: da ist dieses Gefühl nicht genug Austausch und Verbundenheit mit den anderen zu haben, noch stärker.

00:13:26: Und wenn man sich dann vorstellt dass jemanden mit so einem kollektivistischen Hintergrund nach Deutschland kommt wo wir doch eher individualistisch sind der oder die vermisst natürlich eine ganze Menge.

00:13:38: Das heißt fühlen die sich dann auch tendenziell einsamer in Deutschland?

00:13:44: Ja das zeigen unsere Daten.

00:13:45: aber das ist eigentlich mehr ein Ansatz.

00:13:49: also diejenigen die jetzt aus Deutschland selber kommen und in eine andere Stadt ziehen, haben natürlich auch eine gewisse Gefahr sich erstmal einsam zu fühlen.

00:13:59: Aber für die wird es wahrscheinlich dann erst mal leichter sein, auch Wege zu finden um andere Menschen kennenzulernen.

00:14:06: aber wir sehen ganz klar diejenigen die von weiter weg herkommen.

00:14:10: also das kann sowohl von der Distanz sein als ein ganz objektives Merkmal wie viele Kilometer ist man von dem Ort weg wo man die meiste Zeit seines Lebens gewohnt oder sich zu Hause fühlt.

00:14:22: Aber das kann eben auch die Diskrepanz zwischen der eigenen Kultur und der Kultur des aufnehmenden Landes, wo man dann gerade schaut,

00:14:31: sein."

00:14:50: Indikatoren wahrzunehmen.

00:14:52: Deswegen ist das auch wiederum eine Erklärungsmöglichkeit, warum sich... Einsamkeit in sozialen Netzwerken ausbreiten kann.

00:14:59: Wir können am Gesichtsausdruck von anderen Menschen darauf schließen, dass die sich möglicherweise einsam fühlen wenn sie sich zurückziehen also auch das Verhalten oder eben wenn Sie in einer bestimmten Körperhaltung sich bewegen.

00:15:13: Das könnte ein Indikator darauf sein, dass sich jemand einsamt fühlt und über die Spiegelneurone können wir dann wiederum erklären warum Menschen dann dieses Gefühl übernehmen, obwohl sie sich vielleicht dessen gar nicht bewusst sind.

00:15:26: Weil wir eben soziale Wesen sind – wir spiegeln das oder machen es einfach nach ohne dass wir uns selber vielleicht einsam fühlen.

00:15:35: und entweder kann es dazu führen, dass wir das wiederum weitergeben und sich darüber diese Ausbreitung in den sozialen Netzwerken erklären lässt oder dass sich dieses Gefühl der Einsamkeit bei uns selbst manifestiert, obwohl gefühlt haben und keinen Grund haben uns einsam zu fühlen.

00:15:54: Deswegen ist das ganz wichtig, da auch reflektiert dranzugehen und zu gucken, fühle ich mich wirklich einsam weil ich zu wenig Freundinnen habe oder weil die Beziehungsqualität nicht mehr so ist wie mir das wünsche?

00:16:05: Oder ist es vielleicht irgendwas was ich einfach nur übernommen hab und falsch interpretiere?

00:16:11: Würdest du auch sagen dass Menschen Einsamkeit ganz unterschiedlich erleben also auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen?

00:16:18: Ja, genau.

00:16:18: Also es gibt sehr unterschiedliche Formen der Einsamkeit und die existenzielle Einsamheit ist eigentlich so die gefährlichste weil dann das ganze Leben in Frage gestellt wird also Beispielsweise jemand im höheren Alter, der oder die keine eigenen Kinder hatten.

00:16:36: Sich dann auch so ein bisschen die Frage stellt was ist eigentlich der Sinn des Lebens?

00:16:40: werde ich hier in dieser Welt noch gebraucht da es natürlich dann nochmal eine sehr vielschichtige frage die dann auch tatsächlich ja die Gefahr von Suizidialität mit sich bringt.

00:16:53: Gerade junge Menschen haben da viele Möglichkeiten, solchen älteren Menschen dann auch die Möglichkeit zu geben, sich sozial einzubringen.

00:17:01: also beispielsweise in dem jungen Menschen sich um Ältere kümmern aber nicht nur das Gefühl geben so ich kümmere mich jetzt um dich sondern auch dass es reciprok ist und geben unten nehmen dass die ältering eben etwas weitergeben können was sie selber schon als Kompetenz über ihr Leben entwickelt haben oder eben, dass man zum Beispiel in der Wohngemeinschaft dann lebt und auch so ein bisschen vielleicht die gegenseitige... Unterschiedlichkeit aushält.

00:17:33: Dann würde gleichzeitig die Wohnungsknappheit gelöst werden und der ältere Mensch hat dann eine Möglichkeit auch ein bisschen Gesellschaft zu haben, nicht einfach nur durch das Bereitstellen eines Raumes sondern eben auch durch das gemeinschaftliche Gefühl etwas

00:17:49: zurückzugeben.".

00:17:50: Du hast ganz am Anfang gesagt dass man sich auch einsam fühlen kann wenn man in einer Partnerschaft ist?

00:17:56: Ich lebe in Berlin über die Hälfte an Single-Haushalten.

00:18:02: Ist man als Single gefährdeter, an Einsamkeit zu leiden?

00:18:08: Einstatistisch ja!

00:18:10: Das heißt das ist einfach miteinander zusammenhängt.

00:18:14: aber... Menschen, die in einer Beziehung leben mit einer schlechten Beziehungsqualität und das ist typischerweise eben dass ein Partner oder eine Partnerin das eher wahrnimmt.

00:18:27: Da kann dieses Gefühl der Einsamkeit noch viel bedrohlicher sein weil eben die Freiheit sich eben mit unterschiedlichen Menschen auch zu verbinden eingeschränkt ist insbesondere wenn der Partner da den Anspruch hat, dass man nur mit ihm oder ihr dann zusammen ist.

00:18:46: Also dieses Gefühl der Gebundenheit ist dann eben auch gleichzeitig eine Gefahr.

00:18:53: Auf der anderen Seite würde ich auch da wiederum sagen, dass Gefühle Einsamkeit eröffnet die Möglichkeit zur Verbesserung der Beziehungsqualität.

00:19:01: und da es nie zu spät.

00:19:06: Wenn ich jetzt an Großstädte denke – und ich habe ehrlicherweise bis jetzt nur in Großstäten gelebt – Gab es eigentlich für mich immer Möglichkeiten irgendwelche Aktivitäten nachzugehen?

00:19:18: Kulturell, sportliche Aktivität.

00:19:21: Was vielleicht auf dem Land eher weniger der Fall ist einfach weil's dort weniger Infrastruktur gibt oder die Hürden sind höher man muss irgendwo hinfahren.

00:19:32: Gibt es in Deutschland regionale Unterschiede also Regionen wo zum Beispiel mehr einsame Menschen wohnen?

00:19:38: Ja, wir sehen leider schon regionale Unterschiede.

00:19:42: Aber das hängt nicht mit Großstadt-Kleinstadt zusammen oder ob man jetzt ländlich wohnt oder nicht?

00:19:48: Also gerade dieses Gefühl der anonymen Lebensweise in Großstädten kann das Gefühl der Einsamkeit auch wiederum fördern.

00:19:57: und wenn man jetzt in einer Kleinstadt oder eben eher auf dem Land wohnt wo man genau weiß also da sind Nachbarn die kennig Zweifelsfalle kann ich dir auch um Hilfe bitten, wohingegen in einer Großstadt man dann vielleicht doch eher anonym wohnt und eine ganze Zeit unterwegs ist bis man solche vertrauensvollen Beziehungen trifft.

00:20:21: Da ist eben auf dem Land eher ne verbundenheitende gegenseitige Verantwortlichkeit vorgesehen die uns Menschen evolutionsbiologisch wiederum schon näher kommt.

00:20:34: Aber für manche ist das eben auch nichts, beziehungsweise Menschen die in irgendeiner Weise sich da nicht wohl fühlen dass dann vielleicht diese Anonymität in der Großstadt viel besser und sie können damit auch umgehen.

00:20:48: aber im Endeffekt kommt es immer auf eine individuelle Passung an und natürlich auf die Infrastruktur.

00:20:54: also wer jetzt auf dem Land lebt und in der Nachbarschaft nur bedingt an Angeboten hat, was er oder sie gerne wahrnehmen würde und dann mit einem Bus oder anderen Verkehrsmitteln nicht zu diesen Angeboten kommen.

00:21:10: Der fühlt sich natürlich sehr stark abgehängt.

00:21:12: Und da ist es wichtig dass wir eben auch diese Infrastruktur mitdenken und nicht einfach nur annehmen jeder schafft sich ein Auto an oder ist bereits zwei Stunden mit dem Bus zu fahren.

00:21:22: Wann wird eigentlich Einsamkeit zur Belastung?

00:21:25: Also eine die einen wirklich psychisch belastet

00:21:28: Ja, wenn es einfach zu große Ausmaße annimmt und vielleicht jetzt auch noch mal bei Studierenden.

00:21:34: Wir haben Studierende im Fernstudium untersucht im Vergleich zu Präsenzstudierenden.

00:21:42: Und auch da haben wir wieder gefunden, dass es eben die Passung sein muss.

00:21:46: also wer einen Fernstudium aufnimmt und sich das gut vorstellen kann hat vielleicht über die sozialen Beziehungen noch nicht nachgedacht und stellt das dann irgendwann fest.

00:21:55: und wer dann in einer Umgebung wohnt wo Freunde verwandte oder andere soziale Angebote für einen selber gut passen der oder die fühlt sich total wohl kann das auch sehr gut aushalten, dass er die Dozentinnen bzw.

00:22:13: Kommilitoninnen dann nur selten sieht.

00:22:17: Wer aber aus einem Umfeld kommt, wo vielleicht ein neuer Start ganz gut wäre mit neuen Kommiliton-Innen die dann vielleicht Freundinnen werden können.

00:22:31: Da wär das dann schon wichtig auch immer mal Möglichkeiten zu haben über die reinen Lehrveranstaltungen im Online Format hinaus persönlich kennenzulernen und mit denen auch möglicherweise eine Beziehung aufzubauen.

00:22:46: Und die dann physisch so zu treffen, dass dann vielleicht daraus wirklich eine Freundschaft werden kann.

00:22:54: Es gibt aber auch andere, denen das viel zu viel ist und die nicht studierfähig wären wenn sie an eine Präsenzuni gehen müssten.

00:23:05: Dementsprechend muss es einfach individuell passen.

00:23:08: Das heißt, das Gefühl der Einsamkeit sollte so stark werden, dass das Leiden zu groß wird.

00:23:14: Dass dann eben auch das generelle Wohlbefinden oder die Studierfähigkeit eingeschränkt wird?

00:23:19: Du hast auch zu Beginn gesagt, dass Leiden also vor allem bei der existenziellen Einsamkeit teilweise so groß werden kann, dass es zur Suizidalität führen kann.

00:23:33: Einsamkeits kann ja auch gesundheitliche Auswirkungen haben.

00:23:37: Welche sind das?

00:23:39: Ja, vor allem im psychischen Bereich sehen wir das.

00:23:42: Wobei ich da auch gerne einfach nochmal zu sagen würde, wir wissen immer noch nicht ganz klar die Kausalitäten.

00:23:50: Also es ist ein bisschen Henne-Eye-Problem.

00:23:54: Wir sehen Zusammenhänge, die eben ganz klar... korrelativ sind, also so wie es gibt weniger Störche und die Geburtenrate nimmt ab.

00:24:05: Genau so sehen wir das mit zunehmender Digitalisierung oder Technologisierung.

00:24:10: die Einsamkeit steigt aber direkt miteinander zusammenhängt.

00:24:15: Wir haben Annahmen dafür, aber kausal können wir eigentlich bei gesundheitlichen Effekt nur sagen diejenigen die einsam sind haben auch ein höheres Risiko gesundheitliche Einschränkungen zu erleben beziehungsweise andersrum.

00:24:31: Diejenigen die gesundheitlich eingeschränkt sind fühlen sich auch eher einsam.

00:24:36: und wenn wir das jetzt mal über den Längsschnitt anschauen also über die Zeit Da kann es eben sein, dass jemand der gesundheitliche Beeinträchtigung hat.

00:24:45: Dann eben frühzeitig das eigentlich anhand der Einsamkeit schon wahrnehmen müsste und dann wäre das wie so ein Ausweg.

00:24:56: Also wenn man auf so einer Autobahn ist, dann wäre das eine kleine Ausfahrt wo man mal rausfahren könnte und innehalten und zur Beziehung dann erstmal reparieren oder sich neue Freunde suchen oder soziale Unterstützung mobilisieren von Menschen die man eben schon lange und gut kennt.

00:25:13: Wohin gegen diejenigen, die immer weiter mit zwei Hundert auf der Autobahn fahren und dieses Gefühl der Einsamkeit gar nicht wahrnehmen.

00:25:20: Die brauchen sich nicht wundern wenn sie dann irgendwann im Stau landen bzw.

00:25:25: dann tatsächlich einen Unfall erleiden.

00:25:27: Gibt es eigentlich bestimmte Symptome an denen man Einsamkeiten erkennen kann?

00:25:33: Ja also typische Symptomen... Also jetzt im psychischen Bereich ist das Menschen sich dann eben nicht so wohlfühlen oder eben auch etwas vermissen und dass es auch typischerweise so abgefragt.

00:25:47: Das heißt, dass man eine gedrückte Stimmung wahrnimmt oder Konzentrationsschwierigkeiten oder eben Schlafstörungen.

00:25:58: Auf der anderen Seite ist es so, dass wer Schlafstörungen hat und übertacht dann eben immer nicht so richtig ausgeschlafen ist.

00:26:06: Kann auch Schwierigkeiten haben beziehung zu anderen Menschen aufzubauen oder mit der gewünschten Qualität zu leben Und dementsprechend sollte man das schon sehr ernst nehmen.

00:26:17: also das heißt wer unter Schlafstörungen leidet und die Befürchtung hat, das kommt weil er oder sie eben sich einsam fühlt.

00:26:25: Könnte vielleicht auch einfach mal andersrum fragen was könnte helfen besser zu schlafen?

00:26:31: Und dazu gehören zum Beispiel Urstäbsel dass man bei Umgebungslärm besser abschalten kann und vielleicht geht dann auch das Gefühl der Einsamkeit runter wenn man übertacht dann viel mehr im Hier-und Jetzt-Lebt und nicht die ganze Zeit müde und erschöpft ist.

00:26:47: Was kann ich eigentlich dagegen tun, wenn ich merke?

00:26:49: Ich fühle mich einsam.

00:26:52: Ja das eine sind die rein psychischen oder kognitiven Ansätze.

00:26:56: auf der anderen Seite von einer Gesundheitsförderung würden wir auch immer sagen einfach mal was für den Körper tun und zum Beispiel in Bewegungen kommen ein bisschen Sportreiben oder zu sich selber finden aufmerksam zu sich selber sein, achtsam meditieren, Yoga machen und dann vielleicht auch damit eine Möglichkeit schaffen dass man auf andere gleichgesinnte Menschen stößt mit denen man vielleicht dann etwas teilt also zum Beispiel das Interesse an joggen oder Schwimmen, oder Radfahren.

00:27:29: Dass man sich dann einfach mal auf so einer entspannten Ebene Hallo sagt oder kurz darüber austauscht oder vielleicht auch gemeinsam einfach mal was macht und darüber diese Gefühl der Gemeinsamkeit der Verbundenheit erreicht und eine Entspannung, die dann vielleicht hilft auch diese Bekanntschaften zu Freundschaften werden zu lassen oder eben bei Freundschaften, die gelitten haben.

00:27:54: Auch eine gemeinsame neue Basis zu schaffen dass man zum Beispiel gemeinsam mal ein bisschen spazieren geht anstatt einfach nur Zuhause immer über irgendwelche Probleme zu brüten.

00:28:04: also einfach auch da mal ein Bisschen Entspannen und Erholung reinzubringen.

00:28:08: Gelassenheit Und das hilft oftmals genauso gut oder manchmal sogar noch mehr als wenn einfach immer nur die Probleme thematisiert.

00:28:16: Freundschaften und Bekanntschaften, die müssen ja auch gepflegt werden?

00:28:21: Welche Routinen gibt es, die ich in meinen Alltag einbauen kann, damit ich mich weniger einsam fühle?

00:28:29: Ja also bei Freundschaftens ist natürlich erstmal die Frage was macht eine Freundschaft aus?

00:28:35: Also dass man sich immer mal wieder sieht und tatsächlich trifft oder zumindest eben miteinander in Verbindung bleibt, also zum Beispiel per WhatsApp fragen hey wie geht es dir denn?

00:28:46: Oder was machst du gerade.

00:28:48: Also das heißt dieses Gefühl der wirklichen Verbundenheit unterstützen nicht einfach nur in den Status der anderen gucken so ah was haben die immer wieder gepostet oder was machen sie grade sondern wirklich da dann auch eine Rückmeldung geben und wenn ne Rückmelt von anderen kommt darauf auch reagieren und immer in Richtung ja Gemeinsamkeiten.

00:29:06: Auf der anderen Seite ist es natürlich dann auch wichtig, dass man nicht nur so oberflächlich irgendwas Tolles postet oder sich gegenseitig erzählt.

00:29:16: Sondern vielleicht auch einfach mal die Offenheit anbietet für ein offenes Ohr wenn's einem nicht so gut geht und das ist eigentlich auch das Wichtige hier.

00:29:27: also das Gefühl der Einsamkeit selber macht nicht krank sondern wenn man langfristig sich nicht auf andere Menschen verlassen kann.

00:29:36: Also die wirklichen Evidenzen sehen wir vor allem bei sozialer Unterstützung, wer langfristig keine soziale Unterstützung bekommt hat tatsächlich dann eben ein höheres Risiko für Mobilität oder Mortalität.

00:29:53: also das heißt krank zu werden bzw ja bei der Lebensqualität so eingeschränkt zu sein dass dann irgendwann sogar das Leben kürzer von Dauer ist als bei Menschen, die eben da eine gute Verbindung haben und dann sich auf andere eben auch so verlassen können.

00:30:10: Das beispielsweise bei einem gebrochenem Bein das man weiß wie man fragen kann dass er oder sie mal den Einkauf bringt und dass man nicht immer nur den Lieferdienst anrufen muss um nicht zu verhungern.

00:30:22: Also solche einfachen Beispiele können da helfen Dass man vielleicht auch nicht immer die supergute Beziehung da suchen muss sondern auch oftmals reicht, wenn man einfach Menschen hat auf wie man sich verlassen kann.

00:30:36: Und das ist dann erst mal viel mehr wert als wenn man jetzt das Gefühl hat von kompletter Resonanz und

00:30:42: Seelenverbundenheit.".

00:30:45: Wenn du von sozialer Unterstützung sprichst meinst du dann quasi so ein... ich sag' jetzt mal engen Freundeskreis aufbauen?

00:30:53: Irgendwie Menschen die man um sich hat, die quasi mit dem man sich regelmäßig trifft.

00:30:59: Oder was genau ist damit gemeint mit diesem Begriff?

00:31:03: Soziale Unterstützung muss ja nicht nur von Freundinnen kommen, sondern das kann eben auch von Nachbarn-, Nachbarinnen-KollegInnen aber eben auch vom Familie kommen.

00:31:13: Und wer selber keine Familie hat weil die ganz weit weglebt oder wenn man vielleicht keine Kinder hat... Bei dem derjenigen ist es natürlich dann wichtig, auch eine Wahlfamilie sich zu suchen.

00:31:26: Also das Beispiel vorhin mit den älteren Menschen, der ein Zimmer bereitstellt für jungen Menschen und der junge Mensch nimmt das dann wahr geht natürlich auch in eine gewisse Form von Beziehung ein.

00:31:38: aber man muss jetzt nicht die Erwartung haben dass man dann gleich super gut befreundet ist oder dass das eine Beziehungszeit wird wie ein alter Kindverhältnis.

00:31:48: Von daher ist es auch wichtig, da nicht zu hohe Erwartungen zu haben.

00:31:52: Denn zu hohen Erwartung werden typischerweise nicht erfüllt und lieber realistisch daran gehen und auch mit erstmal nur so eine Mittelmaßzufrieden sein.

00:32:03: Denn daraus kann sich mehr entwickeln oder vielleicht ist das genau ausreichen und will und kann gar nicht mehr!

00:32:10: Wenn ich jetzt an die Studienzeit denke, dann gibt es da ja auf jeden Fall Faktoren, die Einsamkeit begünstigen sozusagen.

00:32:17: Wenn ich mir den Ur-Cloud ansehe man muss sehr viel lernen Klausuren schreiben Hausarbeiten wenn man dann merkt Ich fühle mich einsam und dieses Gefühl beginnt in mir aufzukommen Wie kann ich da vorbeugen bevor's chronisch wird?

00:32:35: Ja, das eine ist natürlich die Frage inwiefern dass nur bei einem selbst das Gefühl ist oder ob es tatsächlich auch schon ein Anzeiger ist.

00:32:46: Dass da zu wenig Zeit für Beziehungen sind oder dass etwas vermisst wird was eigentlich auch wirklich für die eigene Erholung und Regeneration dass man zum Beispiel wieder gut lernen kann.

00:32:58: notwendig wäre Und da geht es natürlich auch ein Stück weit um Selbstmanagement oder Selbstregulation, dass wenn man sich selber zum Beispiel kaputt fühlt.

00:33:09: zu kaputt, um dann noch mal loszugehen.

00:33:11: Um Freunde zu treffen oder am Sportkristall zu nehmen, wo man vielleicht andere nette Menschen trifft.

00:33:19: Das ist jetzt schwer aber ich muss mich selber einfach mal überwinden den inneren Schweinehund bändigen aus meiner eigenen Komfortzone herauskommen und dann geht es mir hinterher eben auch wieder gut.

00:33:30: also das ist etwas wenn man sich manchmal einfach auch selber zwingen muss die soziale Unterstützung, dass es manchmal mehr hilft zu wissen so hey da wird jemand sein der würde mich vermissen oder hinterher hier anrufen und fragen was ist mit dir?

00:33:47: Oder enttäuscht sein und sich vielleicht auch nicht melden.

00:33:51: Und dann hilft es eher loszukommen, als wenn man einfach nur sagt so ich muss jetzt wieder zum Sport und da sind die ganzen Leute, die eigentlich mal wieder treffen würde aber die bedeuten mir gar nichts.

00:34:01: Also wirklich mehr positiv denken und an dieses Gefühl so hey was bringt mir das hinterher wirklich?

00:34:07: Und dementsprechend wenn man das Gefühl hat also gerade bei dem Sportkurs sind lauter Leute die sich alle nur selbst darstellen wollen und mir das Gefühl geben dass ich so unfit bin vielleicht lieber einen anderen Sportkurse oder eine andere Sportart wählen.

00:34:21: Also von daher, man kann immer an der eigenen Einstellung was ändern am eigenen Verhalten aber manchmal muss man sich selber auch einfach einen Tritt in Hintern

00:34:29: geben.".

00:34:30: Wir haben ganz zu Beginn darüber gesprochen dass Einsamkeit an sich das es da eigentlich keine Biomarke für gibt also dass es schwer zu erkennen ist.

00:34:41: Gibt es aber bestimmte Risikofaktoren die Einsamheit begünstigen?

00:34:46: Ja, auf jeden Fall im Bereich der Persönlichkeit.

00:34:50: Also das heißt Menschen die eher introvertiert sind haben da auch eine größere Wahrscheinlichkeit dann eher... schwieriger auf andere Menschen zuzugehen, wohingegen extrovertierte Menschen damit kaum Problem haben.

00:35:06: Aber das ist kein Garant dafür, dass man jetzt wirklich als extroverted Mensch super gut mit allen anderen in Verbindung ist und sich dann eben auch nicht einsam fühlt.

00:35:17: Was wir aber auf jeden Fall sehen, Offenheit in der Persönlichkeit haben, die gehen offener und optimistischer an Beziehung oder andere Menschen treffen heran.

00:35:32: Und das hilft einfach!

00:35:34: Wenn man sich dessen bewusst wird dann kann man natürlich auch daran arbeiten.

00:35:39: Schwieriger wird es dann wenn man eher neurotisch ist.

00:35:42: also das heißt so eine Persönlichkeitsstruktur die zum Teil auch genetisch einfach determiniert ist.

00:35:48: da bedarf es manchmal wirklich sehr gezielter Angebote gesucht und eben auch wahrgenommen werden müssten bis hin zu einer Psychotherapie, aber auch da es gibt eigentlich keinen so spät oder unmöglich.

00:36:03: Sondern meine Empfehlung wäre eigentlich immer frühzeitig bei sich selber zu gucken und einfach mal entspannen und versuchen verschiedenes auszuprobieren und wenn was schief gegangen ist daraus zu lernen und sich nicht komplett zurückzuziehen.

00:36:18: Wir haben jetzt über einige Dinge gesprochen, die man selbst tun kann.

00:36:22: Wenn man sich einsam fühlt in die Verbindung gehen, sich Gleichgesinnte suchen und sich Gruppen anschließen, sportliche Aktivitäten vor allem auch den inneren Schweinehund überwinden aus der eigenen Komfortzone rausgehen, sich dann eben auch vielleicht so ein bisschen dazu zu zwingen zum Treffen zu gehen wenn wir aus dieser individuellen Perspektive rauszoomen und so ein bisschen das große Ganze übergeordnete anschauen.

00:36:55: Gibt es etwas, was man quasi auf einer politischen Ebene tun müsste um... gegen Einsamkeit vorzugehen.

00:37:04: Also wenn Sie jetzt quasi einen nationalen Aktionsplan entwerfen würden, welche präventiven Maßnahmen würde da enthalten?

00:37:12: Ja das ist ein super Ansatz.

00:37:14: also als Psychologin bin ich ja eher an den Individuen an den Einzelnen.

00:37:19: Und das finde ich deswegen wichtig, weil wir oftmals gar nicht so viel als einzelne Menschen am politischen System und an dem großen Ganzen ändern können.

00:37:31: aber gleichzeitig sollte man es nicht vergessen.

00:37:34: Deswegen bin ich immer sehr froh wenn ich dann auch mal zu solchen politischen Aktivitäten eingeladen werde und Parteien sollten sich das auf jeden Fall eben auch mit auf die Fahne schreiben bzw.

00:37:47: daran arbeiten und das inhaltlich auszugestalten, das liegt wiederum an allen Einzelnen.

00:37:53: also das heißt nur zu erwarten dass da irgendein Minister oder der Bundeskanzler dann sagt so wir machen jetzt was gegen Einsamkeit das wird nicht funktionieren.

00:38:01: es ist wirklich eine gesellschaftliche Aufgabe wo wir als alle einzelnen zusammen etwas bewegen sollten und von daher soziale Partizipation, politisches Engagement ist natürlich extrem wichtig.

00:38:15: Und da eben auch aushalten zu können dass wenn man jetzt mal was versucht und es nicht sofort funktioniert dann vielleicht einfach nochmal versuchen oder ein bisschen anders und nicht sofort auf bestimmte Gruppen oder Parteien zu gehen wo man dann vielleicht erstmal unterstützt wird.

00:38:31: aber langfristig bringt's an doch keine wirklich Veränderung.

00:38:35: Also von daher würde ich wirklich zu den demokratischen Parteien den Schritt tun, ich selber versuche das eben auch und da dann eben dieses Thema auf die Agenda bringen hat eigentlich das Bundesministerium schon ganz gut.

00:38:53: also das heißt da war ich auch vor der Sommerpause Wo eben das Thema auf der Agenda war, also das heißt das Bewusstsein um Einsamkeit ist da.

00:39:07: Ich glaube was jetzt der nächste Schritt sein wird?

00:39:11: Also im Moment sind wir eben an der Einsamheit dran aber langfristig müssen wir wieder mehr zu sich gegenseitig verstehen, mehr Verbundenheit und mehr Gemeinsamkeit kommen.

00:39:21: Also von daher wäre meine Empfehlung eigentlich hier keine Einsamkeitskampagne Nummer zehn aufzusetzen oder die Strategie gegen Einsamkeit sondern vielmehr eine Strategie für Verbundenheid und ja, Verantwortlichkeit oder dass wir alle da was gemeinsam also wirklich gemeinsam nicht nur einsam etwas Neues versuchen auf die Beine zu stellen.

00:39:47: Und an den Hochschulen kann man das schon mal sehr gut ausprobieren.

00:39:51: Also das heißt man kann sich in der Fachschaft engagieren.

00:39:53: Man kann sich im Seminaren aktiv einbringen und darüber hinauswirken.

00:39:58: Man können sich in die Hochschuleorganisation einbringen in den akademischen Senat.

00:40:04: Überall brauchen wir studentische Vertretung und eigentlich haben wir immer das gleiche Problem, dass die Studierenden sagen, sie haben keine Zeit oder wir haben das Gefühl es bringt nichts.

00:40:13: Und dann würde ich sagen einfach zusammentun mit ProfessorInnen und gemeinsam versuchen was zu verändern denn gemeinsam können wir da eine ganze Menge schaffen.

00:40:25: in der Tat ist es so wenn einzelne Versuchen etwas zu ver ändern dann ist das oftmals sehr schwer.

00:40:31: aber gemeinsam können Und wer das einmal erlebt hat, der kann oder die kann es dann auch in der Zukunft wir machen außerhalb der Hochschule.

00:40:39: Oder eben dann auf politischer gesellschaftlicher Ebene

00:40:45: mehr gemeinsam schaffen und in die Verbundenheit gehen.

00:40:47: Das ist auf jeden Fall ein sehr schönes Schlusswort.

00:40:50: Vielen Dank dir Sonja für das Gespräch.

00:40:52: Ja sehr gerne!

00:40:56: Das war eine neue Folge How It Works Präsentiert von Die Techniker.

00:41:01: Ich bin Azadeh.

00:41:02: Schön dass ihr dabei wart.

00:41:03: Falls ihr mehr von uns hören wollt, in der nächsten Folge sprechen wir noch aus fühllicher Übereinsamkeit.

00:41:08: Und zwar direkt mit euch!

00:41:10: Wir waren an der HAW und haben euch dazu befragt was euch so am Anfang geholfen hat als ihr neu an die Uni gekommen seid wie ihr Kontakte knüpfen konntet richtige Freundschaften aufgebaut habt und natürlich was ihr macht wenn ihr euch doch einsamt fühlt gerade an einer Universität wo man ja im Hörsaal oder in der Mensa umringt ist von vielen Menschen.

00:41:30: Und wenn ihr selbst Erfahrungen habt, die ihr teilen möchtet?

00:41:33: Dann besucht uns doch.

00:41:34: In diesem Jahr sind wir nämlich auch wieder mit Veranstaltungen an verschiedenen Hochschulen in Deutschland.

00:41:38: Mehr dazu in den Shownotes!

00:41:40: Macht's gut.

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