#29 Dark Patterns: Wie Plattformen uns am Bildschirm halten
Shownotes
Wie sieht der Social Media-Konsum von Studierenden wirklich aus? Und wie sehr halten Plattformen uns am Bildschirm fest, ohne dass wir es merken? In dieser Folge von «How it Works » sprechen wir mit Dr. Michaela Kramer, Junior-Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität zu Köln. Sie erforscht mit einer besonderen Methode, wie junge Menschen ihre Handys nutzen: Mediennutzungstagebücher, in denen Studierende per App festhalten, was sie gerade tun, wie sie sich dabei fühlen und welche Inhalte sie sehen. Daraus entsteht ein unverfälschter Einblick in einen Alltag, der längst postdigital ist: ein Leben, in dem analog und digital längst nicht mehr voneinander getrennt sind.
Die Ergebnisse zeigen unter anderem, wie sogenannte Dark Patterns uns zu längerer Nutzung verleiten, welche gesundheitlichen und sozialen Folgen exzessive Bildschirmzeit haben kann und warum Mediennutzung oft gar nicht das eigentliche Problem ist, sondern vielmehr das, was dahintersteckt. Eine Folge über Manipulation und Selbstbestimmung, über Reflexion statt Optimierungsdruck und darüber, wie wir souveräner mit den Plattformen umgehen können, die unseren Alltag längst durchdrungen haben.
Auf dem Content Hub „How it works“ findet ihr jede Menge Artikel rund um mentale Gesundheit. Und weitere Live-Talks, in denen Redakteur*innen von ZEIT Campus mit spannenden Persönlichkeiten und Expert*innen sprechen, findet ihr hier.
Redaktionsleitung: Mae Becker
Projektleitung: Anna Matt
Redaktion: Azadê Peşmen
Producer: Jonas Ross
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00:00:07: Wie sieht der Social Media-Konsum von Studierenden wirklich aus?
00:00:11: Juniorprofessorin Dr.
00:00:12: Michaela Kramer von der Universität zu Köln untersucht diese Frage mit Mediennutzungstagebüchern, in denen Studierende per App festhalten wie sie ihre Handys nutzen – so speichern Sie Emotionen, Screenshots, Sprachnachrichten und halten echte Momente des Scrollents fest!
00:00:30: Mit dieser Tagebuchmethode erforscht Kramer nicht nur, was junge Leute am Handy machen sondern auch, was Plattformen mit jungen Menschen machen.
00:00:41: Denn diese Ergebnisse lassen sich unter anderem mit Dark Patterns erklären dem gezielten Design von Plattform die uns alle länger am Bildschirm halten – mit direkten Auswirkungen auf unser Freizeitverhalten, unser Sozialverhalten und unsere mentale und physische Gesundheit.
00:01:00: Ich bin Azadeh und du hörst eine neue Folge von How It Works, präsentiert von die Techniker.
00:01:18: In dieser Folge von how it works geht es darum wie aussagekräftig die Forschung über eine exzessive Social Media Nutzung wirklich ist und wie sich Dark Patterns erkennen und umgehen lassen.
00:01:29: Darüber sprechen wir in dieser Folge mit Dr.
00:01:31: Michaela Kramer Junior Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Medien in der Bildung an der Universität zu Köln.
00:01:39: Sie forst dazu, wie digitale Medien unser Lernen und unseren Alltag prägen und was es braucht um Souverän mit ihnen umzugehen.
00:01:46: Hallo Michaela schön dass du bei uns bist!
00:01:48: Hallo ich freue mich sehr heute hier zu sein.
00:01:50: Du forscht zu digitalen Medien in der Bildung.
00:01:54: Was hat dich an diesem Bereich besonders gereizt?
00:01:58: Tatsächlich fing es alles an der Uni Hamburg an, als ich einen Aushang sah wo eine studentische Hilfskraft für ein Forschungsprojekt gesucht wurde zum Thema exzessive Mediennutzung.
00:02:10: Und bei dem Thema, mit dem ich vorher noch gar nicht so viele Berührungspunkte hatte.
00:02:17: Das war im Jahr zehntelneugierig und wollte wissen was man denn dazu genau forschen kann?
00:02:25: Und Medien haben mich schon immer sehr interessiert.
00:02:29: Genau!
00:02:30: Da bin ich dann tatsächlich in dem Thema hingeblieben habe dann in meinem Master den Schwerpunkt gesetzt und hab als wissenschaftliche Mitarbeiterin auch genau über verschiedene Medienbezogene Bildungsthemen geforscht und gearbeitet.
00:02:45: Und gelehrt, also auch gestalten von Seminar- und Vorlesungen zu dem Thema bereitet mir viel Freude und finde ich sehr sinnvoll und wichtig weil es einfach ein Zukunftsthema ist was immer mehr auch von Bedeutung wird.
00:03:01: Genau das ist mein Schwerpunkt seither geblieben
00:03:06: Weil du jetzt gerade im Jahr- und Jahrzehntag in dem Du quasi dann mit dem Thema überhaupt in Berührung gekommen bist, damals gab es ja noch nicht mal Instagram.
00:03:16: Genau, das ist Herausforderung und Spannend zu gleich an unserem Forschungsfeld.
00:03:20: Dass es sich rasant wandelt und dass man noch nicht genau weiß was die nächsten Forschungsthemen sein werden weil neue Apps auf den Markt kommen, neue Funktionen und neue Phänomene, die dann auch eine Rolle spielen.
00:03:33: Und genau war das hier im Jahr zwei Tausend Dreizehn natürlich noch ein ganz andere Forschung als die, die wir heute haben.
00:03:39: Ich habe aber dann meine Doktorarbeit, die ich dann zwei Taussend vierzehn so gestartet habe tatsächlich über Fotopraktiken von Jugendlichen auf Instagram und hat dann beobachtet und herausgefunden, inwiefern das denn auch eine Rolle für Identitätsentwicklung dort spielt.
00:03:57: Das Forschungsfeld ändert sich permanent und gleichzeitig kannst du es permanent eigentlich auch direkt live mitbeobachten im Hörsaal.
00:04:08: wenn du heute in den Hörsal schaust was siehst du da?
00:04:13: zum Beispiel deine Professorin vor zehn Jahren noch nicht gesehen haben.
00:04:18: Also ich sehe, wie selbstverständlich digitale Medien inzwischen geworden sind.
00:04:23: Im Gegensatz zu dem Jahr zum Jahr hier im Jahr oder zum Jahr im Jahr.
00:04:27: Also man spricht ja inzwischen auch von der Post-Digitalität.
00:04:31: also dass wir in der Digitalität schon soweit fortgeschritten sind das ist eben nichts revolutionäres neues Spannendes indem es nämlich ist sondern Teil unseres Alltags und mit verschiedenen Alltagsthemen auch verwoben ist ohne dass wir so richtig identifizieren können immer so ganz bewusst auch von einer analogen Welt irgendwie abtrennen könnten.
00:04:52: Und das sehe ich jetzt schon im Hörsaal und auch bei meinen Studierenden, dass es da eigentlich so ein Leben oder auch Studien mit- und ohne digitalen Medien gar nicht mehr gibt sondern das ist einfach... Post-Digital ist im Sinne von, es spielt überall eine Rolle und es wird für die verschiedensten Sachen genutzt ohne dass da auch eine alternative gäbe zum Beispiel unsere Lernplattform.
00:05:15: Da müssen natürlich alle drauf Zugriff haben.
00:05:17: oder die Studierenden, die organisieren sicher ganz viel über Messenger Gruppen und sind da dann auch im Austausch Und das spielt einfach eine immens wichtige Rolle, ohne dass es immer so wirklich reflektiert wird.
00:05:30: Was ich auch inzwischen spannend finde Corona war da ja eine sehr prägende Zeit für unser Thema Digitalisierung gerade an den Unis.
00:05:39: Da haben viele Studierende ja auch gemerkt wie es ist wenn man mal rein online studiert Wenn der soziale Kontakt im Hörersal oder im Seminarraum fehlt.
00:05:50: Das ist jetzt dann noch einmal eine andere Situation als vor Corona würde ich sagen in Lehrveranstaltungen, weil ich auch merke dass die Studierenden da sehr dankbar sind.
00:06:00: Auch für den Austausch, die die Beides miterlebt haben und sich da über jegliche Möglichkeit der Diskussion mit anderen im Raum dann auch sehr freuen.
00:06:11: Und
00:06:12: genau!
00:06:12: Die sozialen Medien, die sind ja nicht nur wichtig für Studierende beziehungsweise Studierender sind jetzt nicht die einzige Gruppe, die sie so stark nutzen ein gesellschaftliches Thema, was auch in der öffentlichen Debatte sehr wichtig ist und breit diskutiert wird.
00:06:31: Was würdest du sagen?
00:06:31: Ist da die größte Fehleinschätzung, die in der Öffentlichen Debatte über Aufmerksamkeit und Social Media zirkuliert?
00:06:41: Also ich glaube, lange Zeit wurde Mediennutzung eben als so ein Jugendthema diskutiert.
00:06:47: Öffentlich aber auch in der Forschung wurde der Fokus dann darauf gelegt wie wirklich jugendliche verschiedene mediale Anwendungen nutzen, wie die da gestärkt werden sollten und es wurde oft auch gerade in der Medialen Berichterstattung ein Recht pessimistisches negatives Bild gezeichnet, dass die ja gar nicht kritisch damit umgehen würden.
00:07:07: Dass sie Smartphone süchtig sein und dass sie bestimmte Fallen online nicht erkennen würden.
00:07:13: also ich glaube da genau das ist ein Diskurs der also lange Zeit auch sehr dominiert hat und immer noch sich so weiter hartnäckig hält obwohl eben Mediennutzung inzwischen überhaupt nicht mehr also intensive Mediennitzungen Jugendthema ist sondern wie du gesagt hast gesamt von null bis neunzig werden Medien genutzt und es braucht auch Medienkompetenzförderung für die Erwachsenen, für die Alten.
00:07:42: Für alle Altersgruppen.
00:07:43: also ich glaube wir sollten aufpassen dass wir hier nicht so einen zu kritischen Blick auf die junge Generation werfen sondern eher sehen was wirklich für die unterschiedlichen Generation jeweils Herausforderungen sind und wie sie darin gestärkt werden können.
00:08:00: Und im Diskurs wurde... Und zu den Anfängen würde ich jetzt mal so sagen, der Digitalität auch von digital natives gesprochen.
00:08:09: Also diejenigen, die damit aufgewachsen sind mit digitalen Medien nochmal im Gegensatz zu jenen, die noch eine Welt ohne das Smartphone kennen.
00:08:20: und inzwischen ist es ebenso dass diese sogenannten digital natives halt auch selbst Eltern sind Selbst Kinder haben nochmal andere in einer anderen Lebensphase sind.
00:08:31: Das heißt da ergeben sich ganz spannende Generationenverhältnisse, die halt vor einiger Zeit so noch nicht zu beobachten waren.
00:08:39: Du hast jetzt schon die Herausforderung angesprochen und auch eine kritische Mediennutzung.
00:08:45: Wenn man kritisch mit Medien umgehen möchte dann sollte man den Begriff Dark Patterns kennen.
00:08:52: Was bedeutet dieser Begriff?
00:08:54: Und welche Beispiele begegnen uns täglich ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen?
00:09:00: Genau also Das ist ganz wichtig, dass wir diese sogenannten Dark Patterns kennen und identifizieren können.
00:09:10: Strategien entwickeln damit umzugehen – genau wie du sagst, da stimme ich dir vollkommen zu!
00:09:14: Dieser Begriff, der kommt aus der Verhaltensökonomie.
00:09:18: Verhaltenzwissenschaft ist abgeleitet von den Design-Patterns also von den Schnittstellen das was wir als Userinnen auch sehen und nutzen auf Social Media Apps aber beispielsweise auch bei Online Games oder anderen Applikationen.
00:09:33: Dieser Zusatz Dark soll eben zeigen, dass die eine bestimmte manipulative Wirkung haben.
00:09:39: Also das da eine Intransparenz auch vorherrscht und dass eben bestimmte Patterns eben eingesetzt werden also bestimmte Gestaltungselemente um Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu bringen.
00:09:54: und dieses Verhalten was eben zudem sie dann gebracht werden sollen ist eine möglichst lange Nutzungszeit.
00:10:01: Das Preis geben möglichst vieler Dat Auch das Nutzen kommerzieller Angebote und das Abschließen von Aben-Normons beispielsweise.
00:10:09: Also alles Interessen, die halt Interessen der Plattformbetreibenden sind und nicht im Sinne eines Gemeinwohls oder im Sinne der Gesundheit der Userinnen gedacht sind.
00:10:19: und deswegen eben Dark Patterns Und du hattest nach Beispielen gefragt.
00:10:24: bei Social Media sind das zum einen Voreinstellungen, die getroffen sind.
00:10:30: Also die intransparent sind dass wir eine App nutzen und es sind aber schon die Notifications, die Benachrichtigungen also alles so im Sinne der Plattform Betreibenden voreingestellt sodass man aktiv in die Einstellung gehen muss um es zu ändern oder auch das Hindernisse eingebaut werden um auch ein Account zu deaktivieren oder zu löschen.
00:10:54: Das kennen bestimmt viele.
00:10:55: Es ist ganz Einfach, es wird sehr vereinfacht auch dargeboten sich einen Account zu erstellen.
00:11:02: Wenn man dann aber finden möchte wie man das deaktiviert, sind da viele Schleifen eingebaut und es ist nahezu unmöglich das mal eben schnellzumachen.
00:11:12: Gleiches gilt auch mit der Personalisierung also dass die Inhalte die wir dort sehen immer mehr dem angepasst werden wo wir lange verweilen damit von denen der Algorithmus denkt, dass die uns dann auch interessieren so das wir dort länger bleiben.
00:11:31: Und bevor wir eben mit dieser Personalisierung quasi starten, sind vor allem auch sehr emotionale Inhalte die dargeboten werden.
00:11:41: Genau mit dem Ziel Menschen sollen möglichst lange in der App auch bleiben also besonders niedliche Tiervideos beispielsweise oder aus Sachen, die uns erst mal schockieren wo wir irgendwie dranbleiben weil wir da irgendwie erstmal gar nicht wissen was sehen wird denn da überhaupt?
00:11:58: Also grob zusammengefasst kann man ja schonmal sagen dass Dark Patterns vor allem dafür da sind, dass wir alle länger am Bildschirm kleben bleiben.
00:12:07: Welche gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen hat eine exzessive Bildschirmszeit auf junge Menschen?
00:12:14: Genau, es gibt Studien die zeigen dass eben eine exzessive Mediennutzung negative Konsequenzen für die psychische aber auch für die physische Gesundheit von Menschen haben kann und auch auf das soziale Leben und die soziale Entwicklung von Menschen.
00:12:37: Also die Imperdefinition ist quasi die Exzessivität, dass man andere Lebensbereiche nachlässigt, indem man eben der Nutzung von Social Media so viel Gedanken und so viel ... Raum auch gibt, dass man sich um andere Dinge einfach weniger kümmert.
00:12:56: Und das kann dann zu einem Leidensdruck führen.
00:12:59: und diese soziale Komponente die du gerade schon genannt hast, spielt natürlich eine große Rolle weil einem von dem sozialen Umfeld gespiegelt wird hier legt mal das Handy weg wir wollen doch jetzt was Schönes zusammen machen.
00:13:11: also da gibt es viele soziale Konflikte die dadurch entstehen können.
00:13:16: Du hast einige Beispiele genannt für Dark Patterns.
00:13:20: Welche würde es zu sagen, sind die wirksamsten?
00:13:23: Also wo können wir eigentlich am wenigsten dagegen ausrichten.
00:13:27: Also es gibt Dark Patterns, die man durchaus auch ambivalent sehen kann und das sind glaube ich die tückischsten.
00:13:33: Die also von uns auch durchaus als etwas Komfortables- und Positives wahrgenommen werden nämlich zum Beispiel die Personalisierung.
00:13:44: Denn ist natürlich auch schön dass wir genau das sehen was uns interessiert.
00:13:48: Wir wollen ja auch gerade Dass die App uns mehr von dem zeigt Was wir auch sehen wollen Und nicht ganz andere Sachen.
00:13:55: Das heißt wenn man dann hier ran geht an dieser Stellschrauber und sagt, okay jetzt habe ich erkannt.
00:14:00: Das ist im Sinne der Plattformbetreibenden das gerade immer stärker auf meine persönlichen Interessen zugeschnitten wird dann führt es noch nicht dazu dass sich mein Verhalten jetzt auch ändere oder dass ich versuche eben dieses Dark Pattern irgendwie zu umgehen denn es hat natürlich auch etwas Positives.
00:14:19: Genauso ist es auch bei den Benachrichtigungen.
00:14:22: Auch das ist natürlich etwas, was auch bequem ist.
00:14:25: wenn ich von der App eine Nachricht bekomme.
00:14:27: Guck doch mal vorbei da hast du ne Nachricht bekommen!
00:14:30: Dann ist aus Sicht der Plattformenbetreibenden natürlich gerade dafür da dass sich dann wieder die App öffnet.
00:14:36: Aus meiner Sicht kann das aber natürlich auch komfortabel sein, dass ich dann sehe ach, da ist was Neues, dann kann ich jetzt ja auch nochmal reingucken und ich glaube das ist das fiese Beitrag Patterns, dass sie eben nicht nur eindeutig sondern dass sie durchaus auch ambivalent sind.
00:14:51: Bei den Benachrichtigungen könnte ich mir vorstellen, ich könnte in den Einstellungen das mir so einstellen, dass sich nicht benachrichtigt werde, dass jetzt eine neue Nachricht an der App für mich bereit liegt.
00:15:04: Das ist wahrscheinlich sehr einfach wenn ich jetzt an die Personalisierung denke.
00:15:08: wer es wahrscheinlich merkwürdig, wenn ich mich für Katzenvideos interessiere Mit Absicht nur Hundevideos mir anzuschauen, damit der Algorithmus denkt ich interessiere mich für Hunde und mir somit dann Hunde-Videos ausspielt.
00:15:22: Ganz genau!
00:15:23: Es gibt natürlich auch einen Unterschied zwischen schlechtem UX Design und gezielter Manipulation.
00:15:31: Wo siehst du da die Grenze?
00:15:34: Mechanismen, die wir auch in einer kleineren Studie an der Friedrich Alexander Uni Erlang Nürnberg noch durchgeführt haben identifizieren konnten wo wirklich getäuscht wurde.
00:15:48: sagen kann, dass es einfach ein Mechanismus der ambivalent ist oder so.
00:15:53: Sondern wo wirklich falsche Informationen quasi den Userinnen gegeben werden die sie täuschen.
00:16:01: also beispielsweise das gesagt wird hier Die Person hat sich dein Profil angeguckt Also das halt gesagt wird Es gäbe Reaktionen von anderen die es aber gar nicht gab und das haben wir auch teilweise in den Apps gefunden.
00:16:16: Und ich würde sagen Da ist dann eine Grenze überschritten, die nicht mehr nur von einem unethischen Design jetzt so ausgeht.
00:16:24: Sondern wo es wirklich eine Manipulation darstellt?
00:16:27: Wie viel Verantwortung würdest du sagen tragen Designerinnen und Produktmanager in persönlich diese Muster bauen?
00:16:35: Ich glaube, es ist ein strukturelles Problem.
00:16:37: Also von persönlicher Verantwortung würde ich da jetzt gar nicht so sehr sprechen.
00:16:42: aber ich glaube dass dieser Bereich des Designs, der hier programmieren die Plattformbetreibenden das da auf jeden Fall ganz viel Verantwortung liegt und dass er nicht gerecht wird derzeit.
00:16:58: gleichzeitig ist es eben nicht nur in der Verantwortung der Plattform Betreibenden oder sondern das ist eben eine verteilte Verantwortlichkeit, wenn man so möchte.
00:17:09: Also auch die Userinnen selbst sind natürlich nicht komplett schutzlos und ohne Verantwortung für ihr eigenes Medien handeln, sondern auch die haben natürlich eine Verantwortung dafür dass sie selbst eine Strategie finden, Medien möglichst selbstbestimmt und kritisch zu nutzen und haben auch Möglichkeiten.
00:17:26: also auch da dürfen wir jetzt nicht zurückfallen in solche Vorstellungen von einem komplett schwachen Subjekt was einfach nur den Medien ausgeliefert sondern ich finde, dass wir da auch ein Augenmerk drauf legen müssen.
00:17:38: Wenn wir gleichwähre im Moment diese Machtstrukturen und was hat denn das Medium für eine Macht uns genauer angucken müssen?
00:17:47: Aber die Verantwortung liegt eben an verschiedenen Stellen.
00:17:51: Lass uns da noch mal mehr darauf eingehen auf die Verantwortung jeder einzelnen Person.
00:17:57: Was würdest du raten?
00:17:59: wie kann man diese Dark Patterns umgehen?
00:18:02: Ich glaube, das Erste ist erstmal sich Zeit zu nehmen die eigene Mediennutzung zu reflektieren.
00:18:10: Also wirklich mal zu dokumentieren, zu gucken wie nutze ich überhaupt Social Media?
00:18:16: Vielleicht über ein oder zwei Wochen hinweg.
00:18:19: Viele machen das ja aktuell schon dass sie so eine Art Journaling betreiben oder sich Notizen zu dem eigenen Alltag machen.
00:18:25: Das mal mit Fokus auf Medien machen und gucken in welchen Situationen nutze Ich welche Social Media Apps oder überhaupt Welche, welche digitalen Angebote?
00:18:36: Und dann auch nicht nur Wie lange nutze da auch genau, was bringt mir das auch?
00:18:43: Also ist das vielleicht etwas, was mir wirklich hilft oder ist es etwas?
00:18:47: ich weiß gar nicht warum mich's überhaupt tut.
00:18:49: Da mal so in die Reflexion zu gehen wie gehts mir?
00:18:51: dabei sprechen mich vielleicht auch andere Menschen irgendwie auf meine Mediennutzung ein.
00:18:56: also diesen sozialen Aspekt noch mitzubeleuchten und dass man heute über eine Zeit lang zu machen kann erster wichtiger Schritt sein um auch zu einer kritischeren Mediennutzungen zu kommen und im zweiten Schritt dann zu gucken, okay welche Rolle spielen denn dabei jetzt solche Plattformmechanismen, solche Dark Patterns.
00:19:16: Wo kann ich den erkennen?
00:19:17: da technisch etwas voreingestellt ist, dass da irgendwie Funktionen gibt die dazu geführt haben.
00:19:23: Dass ich mich so oder so gefühlt habe das ich länger in der App war als eigentlich beabsichtigt also da dann in so eine Medienanalyse überzugehen Das kann sehr erhellend sein und auch immer mit anderen drüber zu sprechen Also das dann auch mit KommilitonInnen nochmal zum Thema machen.
00:19:42: den Mediennutzung ist halt eben sehr personalisiert besprochen und es ist gar nicht gesagt, dass ich die gleichen Erfahrungen mache wie jemand anderes.
00:19:53: Das heißt das ist auch ganz wichtig dann darüber zu sprechen und sagen ach was machst du denn so um sich selbst da auch ein bisschen besser zu reflektieren?
00:20:02: Und was ich glaube was dann auch wichtig dass aber man nicht, was ich nämlich auch bei Studierenden beobachte, das übergeht in so einen Selbstoptimierungsdruck.
00:20:12: Also da Studierende dann das Gefühl haben, ich muss das jetzt total im Griff haben!
00:20:17: Ich muss das super kontrollieren und die Dark Patterns erkennen und dann entsprechend handeln.
00:20:23: Und dann ist dieser eigentlich gute Idee, dass man kritischer damit umgeht, eher ins negative gekehrt, weil ich dann diesen starken Selbstoptimierungsdruck-Spürer der meinem Wohlbefinden auch nicht gut tut.
00:20:39: Also da auch ein bisschen Druck rausnehmen und das einfach als... gesellschaftliches, aktuelles Problem und Herausforderungen.
00:20:48: Und auch eben die strukturellen Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen, auch mit in die eigenen Gedanken einbeziehen und es nicht nur als eine eigene Schwäche sehen wenn man mal länger am Handy war, als man eigentlich das beabsichtigt hat.
00:21:02: Das kann natürlich schnell passieren, wenn man sein eigenes Verhalten ändern möchte und dann in so einen Optimierungszwang reinfällt.
00:21:10: Du arbeitest ja in deiner Forschung auch mit Mediennutzungstagebüchern?
00:21:15: Ist es das was du jetzt gerade beschrieben hast also quasi die eigene Mediennutzungen zu dokumentieren?
00:21:22: Genau, wir haben gerade eine größerangelegte Studie bei der junge Erwachsene über eine Woche lang ihre Mediennutzung dokumentiert haben.
00:21:34: Das war für uns jetzt weniger in einem pädagogischen Sinne, dass Sie das gemacht haben.
00:21:39: Sondern damit wir Forschungsdaten haben und einen besseren Einblick auch haben.
00:21:44: wie nutzen denn unsere Studienteilnehmenden überhaupt Medien?
00:21:48: Denn über Mediennutzung zu sprechen ist halt recht schwierig weil es so ein Alltagsroutine verwoben ist dass wir es eigentlich gar nicht so richtig mehr sprachlich auch wiedergeben können.
00:22:00: Wenn wir danach gefragt werden, wie hast du denn letzte Woche Medien genutzt?
00:22:04: Ist das ganz schwer, das zu erinnern, weil's ebenso nebenbei passiert.
00:22:08: und das ist ein Grund für uns gewesen in diesem Forschungsprojekt mit Medien Tagebüchern zu arbeiten, weil man da dann direkt im Zuge der Nutzung quasi dokumentieren kann was man gerade gemacht hat und dann die eigenen Gefühle und Gedanken dazu direkt äußern kann.
00:22:24: jetzt keiner App gewesen in unserem Forschungsprojekt, wo wirklich nur getrackt wurde.
00:22:30: So lange wurde diese App genutzt?
00:22:32: Sondern wir haben auch bestimmte Fragen den Personen mit auf den Weg gegeben die hier nochmal in die Richtung gehen.
00:22:39: wie hast du dich dabei gefühlt.
00:22:40: was hast du sonst so heute gemacht?
00:22:42: also auch Wie ist denn diese Mediennutzung in einen Alltag von morgens bis abends eingebettet gewesen?
00:22:49: Und es gab die Möglichkeit, das über verschiedene Modalitäten zu machen.
00:22:54: Das heißt, die teilnehmenden konnten entweder uns Sprachnachrichten einsprechen, sie konnten das in Textfälle eintippen, Sie konnten Emojis nutzen.
00:23:02: Sie konnten aber auch Screenshots machen oder Fotos schießen.
00:23:06: Das heisst da haben wir dann einen wirklich tollen Einblick in so ein Medienalltag, in so einen mediatisierten Alltag bekommen.
00:23:14: Und zugleich haben uns die Studienteilnehmenden aber auch am Ende dieser Woche zum Großteil rückgespiegelt, dass sie das sehr gewinnbringend für sich selbst auch fanden.
00:23:24: Im Sinne so einer eigenen Reflexion der Mediennutzung und dass das eine oder andere sehr überrascht hat weil ihnen das vorher gar nicht so bewusst war.
00:23:32: also da war es dann vielleicht doch ein bisschen pädagogisch.
00:23:35: Du hast ja schon gesagt, dass natürlich Mediennitzungen was sehr Personalisiertes ist.
00:23:41: wenn du dir jetzt diese Medientagebüchern ganzen anguckst.
00:23:45: Siehst du da auch bestimmte Auffälligkeiten, Regelmäßigkeiten, Dinge die häufiger aufgetreten sind?
00:23:53: Ja, was wir bei vielen unserer Studienteilnehmenden erkennen konnten war dass sie mehrere Medien parallel nutzen.
00:24:02: Also das nicht nur eine Serie geguckt wird sondern gleichzeitig wird auch noch ein Computerspiel gespielt und es wird aber auch mit jemandem gechattet.
00:24:10: also das war so ein Muster was uns auch ein bisschen überrascht hat wie verbreitet ist viele verschiedene mediale Angebote gleichzeitig genutzt werden, was natürlich auch wenn man es mal ein bisschen kritisch sieht schon zu so einer Reizüberflutung auch führen kann und auch keine Langeweile zulässt.
00:24:31: Wenn man jetzt nur über den Messenger mit einer Person chattet dann gibt's ja schon zwischendurch Momente in denen man mal nicht mit Inhalten oder mit neuen Informationen gefüttert wird, wenn man jetzt aber drei Sachen gleichzeitig macht, dann kommt dieser Moment der vielleicht lange Weile dass man mal gar keinen Reiz von außen bekommt, gar nicht erst auf.
00:24:52: und das ist schon ein Muster was wir erkennen konnten.
00:24:54: Und würdest du sagen, dass die Studierenden in diesen Medien-Tagebüchern ehrlicher sind als wenn man sie jetzt um einmal eine traditionelle wissenschaftliche Methode anzuführen?
00:25:06: Wenn man sie einfach interviewen würde...
00:25:08: Das war tatsächlich auch einer unserer Gedanken, das nennt man soziale Erwünschtheit.
00:25:13: Dass im Rahmen von Interviews manchmal vielleicht nicht ganz die Wahrheit gesagt wird weil man möchte ja auch nicht durft dastehen sondern möchte schon irgendwie das auch so erzählen wie vielleicht das gegenüber das auch gerne hören möchte oder wie man das Gefühl hat dass auch die gesellschaftliche Erwartung getroffen wird und bestimmte gesellschaftlichen Normen diesjahr um das gesunde maß der Mediennutzungen sehr verbreitet auch gibt in unserer Gesellschaft, dass man versucht irgendwie sich dem anzugleichen.
00:25:42: Und unsere Vorstellung oder unser Wunsch war das wir im Rahmen dieser Medientagebücher nennen Unverfälschterinnen Einblick in den Medienalltag der Teilnehmenden bekommen.
00:25:54: Also dass hier weniger sozial erwünscht geantwortet wird, sondern weil es eben so in dieser Situation der Mediennutzung gemacht wird, weil keine forschende Person mit im Raum ist, sondern das ja auf dem eigenen Smartphone in diesem Fall.
00:26:06: Das war eine App die die Personen auf dem eigene Smartphone installiert haben dann auch durchgeführt wurde.
00:26:11: Dass sich ein bisschen persönlicher Intima irgendwie einen Tagebuch anfühlt und dann authentischere und ehrlichere Antworten bekommen.
00:26:22: Ja, das ist natürlich schwer dann zu beurteilen inwiefern das dann auch funktioniert hat.
00:26:28: wir haben schon auch in den Tagebüchern gemerkt dass sich viele Teilnehmer dessen schon auch währenddessen sehr bewusst waren dass sie das für jemand anderen also für uns in dem Falle ausfüllen Und dass sie sich da auch mit gesellschaftlichen Normen auseinandersetzen, also das Sie dann oft abgeglichen haben.
00:26:48: Heute war es aber ein bisschen mehr als eigentlich sein sollte und sich dafür entschuldigt wurde oder ähnliches.
00:26:55: Also dieses Sich dann zu den Erwartungen irgendwie zu positionieren – das war auch bei den Tagebüchern.
00:27:00: Wurde das sichtbar?
00:27:01: Was wir gerade ganz spannend finden und uns genauer angucken, was sind das denn überhaupt so für Erwartung und für Normen die Menschen haben, was mir die Nutzung angeht?
00:27:12: Und als irgendwie wünschenswert und gute Mediennutzung überhaupt so verstanden oder angenommen, auch das finden wir jetzt als Forschungsthema gerade ganz interessant.
00:27:23: Ich könnte mir vorstellen dass diese Erwartungen mit denen dann die Studierenden die Medientagebücher ausfüllen auch stark von der öffentlichen Debatte geprägt sind.
00:27:33: um nochmal auf diesen Optimierungszwang zurückzugehen also wenn es in der öffentliche Debatte um soziale Medien immer darum geht bestimmten Mechanismen nicht verfallen soll und nicht so lange am Bildschirm hängen soll, dann beeinflusst das sicherlich auch die Erwartung mit denen man einen Mediennutzungstagebuch ausfüllt.
00:27:53: Absolut!
00:27:54: Da gebe ich dir auf jeden Fall recht dass diese mediale Debatte eine ganz große Rolle dabei spielt was als gesellschaftliche Norm wahrgenommen wird.
00:28:06: zusätzlich finden wir in den Daten auch solche Aussagen, wie ja ich sollte eigentlich mehr an die frische Luft gehen.
00:28:15: Also diese Vorstellungen nicht nur drinnen hocken und auf dem Bildschirm gucken sondern das wahre Leben findet draußen an der frischen Luft in der Natur statt.
00:28:27: Auch das ist so eine gesellschaftliche Erwartung, die wir oft gefunden haben Und auch, dass man den sozialen Beziehungen vorrang geben sollte.
00:28:39: Also nun unternimm doch lieber mal was mit deinen Freundinnen anstatt immer nur am Handy zu hängen!
00:28:44: Auch da diese Gegenüberstellung zwischen das echte Leben findet eben nicht am Handy statt sondern... wenn man draußen mit anderen etwas unternimmt.
00:28:54: Also genau, es gibt mehrere konkrete Normen die da wahrgenommen werden aber bei den Spielen eben mediale Berichterstattung, die eben auch zu Zeitpunkten unterschiedlich sind.
00:29:06: das finde ich bei diesem Thema eben auch so spannend.
00:29:08: eine ganz große Rolle also dass was aktuell diskutiert wird sowie Smartphoneverbot, Verbot ganz klar eben diese Dark Patterns, diese Intransparenz der Algorithmen und der Apps, die genutzt werden.
00:29:22: Das ist nochmal anders als es eben vor einigen Jahren diskutiert wurde und das genau so verändert sich eben auch der Forschungsgegenstand.
00:29:30: Und eine Sache wollte ich noch sagen in der Studie von der wir gerade über die wir gerade gesprochen haben sind es tatsächlich nicht nur Studierende also die sind zwar alle so im Alter um die zwanzig aber wir haben extra darauf geachtet dass es nicht nur diese akademische höher gebildeten Personen sind, die wir da beforschen.
00:29:50: Sondern dass da auch durch die Bank weg Personen sind ,die in der niedrigeren Schulabschluss haben, die schon im Berufsleben sind und das wir da irgendwie auch so eine Diversität in dieser Gruppe der Studienteilen nehmenden haben.
00:30:04: Denn tatsächlich haben die meisten Studien bisher sich auf die Studierenden konzentriert Und es ist wenig darüber auch bekannt Inwiefern denn auch so Bildungsunterschiede oder auch Milieu Unterschiede?
00:30:15: Inwiefer das irgendwie dafür auch eine Rolle spielt Und das versuchen wir eben jetzt auch stärker in ihrem Blick zu nehmen.
00:30:22: Du hast ja schon ein paar Dinge genannt, die sich ergeben haben aus den Mediennutzungstagebüchern zum Beispiel eben dass Menschen in der Regel auch zwei Medien gleichzeitig oder parallel nutzen.
00:30:37: Gab es noch andere Dinge, die dich überrascht haben?
00:30:41: Was mich überraschte hat war... wie oft wir es in unseren Daten doch gefunden haben, das ist gar nicht so sehr an den Medien lag.
00:30:52: Sondern eher an persönlichen Krisen die junge Menschen auch erleben.
00:30:58: und da war die Mediennutzung dann eher eine Hilfe oder eine Bewältigungsstrategie quasi sodass diese exzessive Nutzung von Medien eigentlich gar nicht unbedingt das Problem war, sondern es gab ganz andere Probleme im Leben der jungen Menschen.
00:31:17: Sie konnten sich dann eben damit auch ein Stück weit helfen dass sie über Medien zum Beispiel Anerkennung erfahren, sich mit anderen austauschen zu bestimmten Problemen oder dass sie dort nochmal Informationen gewinnen die ihnen auch bei der Bewältigung ihrer Probleme hilft.
00:31:37: Oder sich einfach mal abzulenken wenn man gerade mit den vielen Problemen im Alltag überfordert ist.
00:31:43: Was würdest du höhereInnen raten?
00:31:46: Die eine ähnliche Methode für sich selbst nutzen möchten?
00:31:49: gibt es Apps oder Tools die du empfehlen kannst, um die eigene Mediennutzung zu beobachten und zu protokollieren.
00:31:58: In unserer Studie haben wir tatsächlich eine App selbst programmieren lassen.
00:32:03: Das ist natürlich so für einen Privat nicht möglich.
00:32:07: Was ich mit Studierenden oft mache, ist dass wir das einfach über Messenger machen, also dass die mal so ein Chat mit sich selbst eröffnen und dann da nämlich auch die Möglichkeit haben verschiedene Modalitäten zu nutzen.
00:32:22: Also sei es, dass sie einfach sich Sprachmachrichten schicken, dass Sie selbst Screenshots Fotos machen oder auch man Emoji rein schicken sodass man in diesem Chat selbst so eine Art Tagebuch führen kann, wobei man auch da natürlich verschiedene Messenger nutzen kann und darauf achten sollte dass die Daten möglichst geschützt sind.
00:32:49: Und was würdest du sagen müsste sich an Schulen oder Hochschulen ändern damit junge Menschen wirklich Medienkompetent werden?
00:32:58: Es gibt viele tolle Projekte, die Medienkompetenzförderung betreiben und sich an unterschiedliche Zielgruppen auch richten.
00:33:08: An Schülerinnen oder den außerschulischen Bereich oder an Hochschulen.
00:33:14: große Problem aktuell ist, dass das nicht flächendeckend strukturell verankert ist.
00:33:19: Sondern dass das so kleine Leuchtturmprojekte sind die toll sind aber die nicht nachhaltig verankerd werden sondern hier und da bestimmten Personengruppen solche Bildungsangebote dann bieten.
00:33:32: Aber es fehlt halt an einer strukturellen Verankerung, sodass es dann wirklich auch in der Gesamtgesellschaft wirken kann.
00:33:42: Und da sehe ich die größte Baustelle aktuell weil Medienbildung wird klassischerweise als ein Querschnittsthema verstanden was irgendwie auch Sinn macht, weil wir hatten ja Ausstand drüber gesprochen.
00:33:55: Dass Medien eben überall eine Rolle spielen die sind omnipräsent und man kann jetzt nicht mehr sagen es gibt ein Leben mit und ohne Medien sondern ist spielt in den unterschiedlichsten Bereiche und Themen unseres Lebens mit rein.
00:34:09: von daher macht das schon Sinn mit dieser Querschnittsaufgabe.
00:34:11: gleichzeitig birgt das aber die Gefahr wenn alle es machen dass es dann keiner macht und das dann eben oft auch genau an der Stelle beispielsweise gekürzt wird oder Angebote eben nicht strukturell verankert werden.
00:34:26: Und wenn es eine einzige Sache gäbe an der Bildungsarchitektur, die du ändern könntest um Medienkompetenz zu stärken?
00:34:34: Also strukturer, das könnte sein sowas wie ein verpflichtendes Fach an der Schule Medienkompatenz oder bestimmte bestimmte Bücher in den Lehrplan aufnehmen, dass man die auf jeden Fall gelesen haben muss.
00:34:48: Eine verpflichtende Projektwoche an Schulen oder vielleicht auch sogar ein Programm was für Kindergärten ausgelegt ist das Kinder schon sehr früh lernen mit Medien umzugehen also alles was quasi in irgendeiner Form so im Bildungssektor umsetzbar ist.
00:35:05: Welche wäre das?
00:35:06: Das ist jetzt vielleicht nicht eine konkrete Maßnahme aber Was helfen würde, ist einen kulturellen Wandel hinzukriegen.
00:35:16: Also nicht nur punktuell einverpflichtendes Modul irgendwo einzurichten sondern ein Bewusstsein dafür zu schaffen dass wir in einer Kultur der Digitalität leben und Kinder von null bis ins hohe erwachsenen alter Menschen in dieser Welt eben groß werden und sich entwickeln und sozialisiert werden Medienbildung eben überall eine Rolle spielt und das schon früh anfängt, aber auch entlang der Bildungskette auch nirgends aus den Augen gelassen werden darf.
00:35:55: Und ich glaube, eine Stellschraube die wir auch besonders in den Blick nehmen müssen ist die Lehrerinnenbildung.
00:36:00: Denn da sind ja die Personen, die dann wiederum in die Schulen gehen und mit den Kindern- und Jugendlichen über Medien sprechen können.
00:36:10: von daher sehe ich hier auch eine große Herausforderung, eine große Verantwortung gerade auch in den Lehramtsstudiengängen Medienbildungen zu stärken.
00:36:20: Die haben ja auch am Ende eine gewisse Vorbildfunktion für ihre Schülerinnen.
00:36:24: Das heißt, also so je nachdem wie sie Medien nutzen, nehmen sich dann eventuell auch die Schülerinnen ein Beispiel daran
00:36:33: Absolut.
00:36:34: Und auch hier wieder dieser kulturelle Wandel, also dass wir nicht davon ausgehen das die Lehrerinnen jetzt alles wissen und können müssen sondern dass sie auch offen dafür sind eben die Jugendlichen zu fragen okay was macht ihr denn da überhaupt?
00:36:48: Also da sich auch Stück an Stück weit Sachen erklären zu lassen Ja, von dieser Rolle der allwissenden Lehrkraft quasi wegzukommen und eher neugierig zu sein oder zu hören was denn wirklich Jugendliche auf Social Media machen.
00:37:07: Was ihnen dort begegnet um dann Gesprächsanlässe zu haben um in die kritische Reflexion zu gehen?
00:37:13: Wir haben jetzt schon einiges besprochen was man tun kann um vor allem Dark Patterns zu umgehen also einen Mediennutzungstagebuch selbst führen dokumentieren wie man mir den nutzt, reflektierend warum man das tut und wie ich was wann nutze.
00:37:32: Mit anderen auch darüber sprechen in den Austausch gehen vielleicht auch mal die Notifications der jeweiligen Apps dann ausschalten.
00:37:42: wenn du jetzt aber den HörerInn nur einen einzigen Rat geben dürftest wie wir alle Souverän Amel Plattform umgehen können welcher wäre das?
00:37:52: Ein Rad, den man vielleicht nicht so oft hört und den ich aber wichtig finde ist nach Alternativen zu suchen.
00:37:59: Also nur weil alle WhatsApp nutzen, weil alle TikTok- und Instagram nutzen heißt das nicht dass die einzigen Plattformen und Apps sind die es auf dem Markt gibt sondern gezielt zu gucken was kann ich denn nutzen?
00:38:13: Was nicht zu diesen großen Attack Firmen gehört und wo eben dieser digitale Kapitalismus so ganz stark im Vordergrund steht.
00:38:24: Was gibt es für Alternativen?
00:38:26: Und wie können wir auch Plattformen und Apps schaffen, die uns was bringen und die uns aber auch gut tun?
00:38:32: Wie müssten sie aussehen?
00:38:33: also auch mal ein bisschen utopisch denken und etwas Neues wagen und nicht nur bei diesen dominanten Marktführern bleiben ist natürlich herausfordernd, weil wenn man alleine auf irgendeiner alternativen App ist dann bringt einem das erst mal wenig.
00:38:52: Sondern man muss da natürlich auch seinen Freundeskreis überzeugen.
00:38:55: kommen.
00:38:56: wir gehen jetzt alle hin und es braucht so ein bisschen Netzwerkarbeit und Überzeugungskraft.
00:39:04: aber ich glaube dass lohnt sich um da auch nochmal andere Zukunftsvision zu entwickeln
00:39:11: oder?
00:39:11: Das wäre der Umkehrschluss!
00:39:12: Man müsste die Plattform Die es bereits gibt stärker regulieren.
00:39:17: Auch das ist sinnvoll, aber da sind glaube ich andere Player wichtiger als wir einzelnen User-Innen.
00:39:25: Da müsste eben von der Politik vom Verbraucher Daten, Jugendmedienschutz ein stärkeres Durchgreifen geben und stärkere Regulierung.
00:39:35: Da gibt's jetzt auch schon einige Beispiele wo das gelungen ist, aber auch da gibt´s natürlich ganz viel Luft nach oben noch
00:39:42: Und bis dahin können jetzt Hörerinnen erstmal ihre eigene Open Source App, ihr neues soziales Netzwerk entwickeln.
00:39:50: Vielen Dank dir Michaela für deine Zeit!
00:39:53: Sehr gerne.
00:39:54: es hat viel Spaß gemacht mit dir darüber zu sprechen.
00:39:59: Das war eine neue Folge how it works präsentiert von die Techniker.
00:40:03: ich bin Azadeh schön dass sie dabei wart Falls ihr mehr von uns hören wollt, in der nächsten Folge sprechen wir noch ausführlicher darüber wie wir Medien kritisch und kreativ nutzen.
00:40:13: Was die aktuelle Forschung dazu sagt was wirklich in unserem Alltag passiert und welche Routinen helfen Souverän mit dem Smartphone zu leben In einer Welt in der Digital- und Analog nicht mehr voneinander zutrennen sind.
00:40:26: Und wenn ihr selbst Erfahrungen habt, die ihr teilen möchtet dann besucht uns doch.
00:40:30: In diesem Jahr sind wir nämlich auch wieder mit Veranstaltungen an verschiedenen Hochschulen in Deutschland.
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